Crystal Meth

„Die Droge, die in der Szene als Crystal Meth bekannt, wird in Labors synthetisch hergestellt – und erlebt gerade einen regelrechten Boom, wie Drogenexperten bestätigen. Immer mehr Deutsche entdecken diese Droge für sich; für die Hersteller in Tschechien verspricht der direkt benachbarte Absatzmarkt lukrative Geschäfte (Auszug aus dem Artikel „Der aussichtslose Kampf gegen die Droge“ aus „Der Tagesspiegel“ vom 05.05.2014).

Crystal kann man rauchen, schnupfen oder injizieren. Wie der Name schon sagt, besteht diese Droge aus kleinen Kristallen. Der Methamphetamin-Rausch durchläuft mehrere Phasen:

Nach Einnahme in jeglicher Form verspürt der Konsument einen rush oder kick. Das Herz rast, Blutdruck und Puls sind erhöht, ein potentes Glücksgefühl und immense Energie durchströmen den Körper. Das ist der Effekt, den man sich erhofft, nach dem man süchtig und gierig wird. Dieser erste Zustand kann bis zu dreißig Minuten anhalten.

Dann folgt das High. Der Meth- User überschätzt sich, durch den Realitätsverlust wähnt er sich schlauer als als alle anderen, redet fast ununterbrochen und fällt dabei anderen permanent ins Wort und das mit einer aggressiven Note. Belanglose Tätigkeiten wie Haare kämmen oder Brille putzen können stundenlang praktiziert werden, unbedeutende Aussagen werden endlos wiederholt. Das High kann je nach Qualität und Menge des Rauschgiftes vier bis zwölf Stunden anhalten.

Fast alle Crystal Meth User, auch Speed-Freaks genannt, betreiben einen maßlosen Konsum, das nennt man binging oder craving. Beide Begriffe stehen dafür, das High unbedingt aufrecht zu erhalten, so lange wie möglich. Dieses binging kann bei Crystal bis zu 14 Tagen dauern. Dabei wird die Dosis beständig erhöht, um einen rush zu bekommen. Das geht solange, bis sich weder ein rush noch ein High einstellen.

Nun folgt eine Phase, die tweaking genannt wird. Ein hypernervöser Zustand stellt sich ein, begleitet von einem schrecklichen Gefühl der Leere und der Gier nach Meth. Identitätsverlust und Juckreiz begleiten diese Phase, manch einer ist überzeugt, dass Käfer unter seiner Haut krabbeln. Der Betreffende hat oft viele Tage nicht geschlafen und befindet sich mitunter in einem stark psychotischen Zustand und lebt nur noch in seiner eigenen Welt. Durch real wirkende Halluzinationen kann er in dieser Zeit zu einer Gefahr für für sich und andere werden. Das Risiko der Selbstverletzung oder -verstümmelung ist groß.

Dann folgt der Zusammenbruch, auch crash genannt. Der Körper schaltet ab und der User fällt in einen totengleichen Schlaf, der bis zu drei Tagen andauern kann.

Nach dem Aufwachen folgt ein Mega-Kater. Der Zustand des Users ist wesentlich schlechter als vor dem Konsum der Droge. Körperlich, geistig und emotional völlig erschöpft ist für die meisten Meth-Freaks Grund genug, gleich wieder Crystal nachzulegen, denn die Lösung für seinen unangenehmen Gefühlszustand besteht darin, mehr Meth zu nehmen. Das führt zu einer starken Drogenabhängigkeit, die derart weder bei Heroin noch bei Kokain zu finden ist.

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Selbst wenn man bei diesem Meth-Kater zunächst nicht rückfällig wird, wähnt sich der User nach einigen Tagen in einer falschen Sicherheit, weil es in dieser Zeit danach keine Entzugssymptome gibt. Diese setzen oft erst Wochen später ein, aber sie setzen ein. Das ist heimtückisch und bestätigt den Drogenkonsumenten in seiner fatalen Einstellung, dass er seinen Konsum kontrollieren könnte. Die späten Entzugserscheinungen machen sich bemerkbar durch Frustration, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Depression. Das verlangen nach Crystal wird sehr stark und manch einer denkt an Selbstmord. Spätestens jetzt werden fast alle rückfällig. Viele dieser Methamphetamin-Süchtigen sterben nach wenigen Jahren.

Warum erfährt diese Substanz solch eine Renaissance? Sie ist nicht neu und war früher unter dem Namen Pervitin bekannt. Die Grundsubstanz Amphetamin wurde bereits 1887 in Deutschland synthetisch hergestellt. Im Jahre 1919 wurde in Japan das Methamphetamin entwickelt, das stärkere und einfacher in der Herstellung ist und sich aufgrund seiner kristallinen Form und Wasserlöslichkeit sehr gut zur Injektion eignet.

Während des zweiten Weltkrieges wurde diese Droge an vielen Fronten eingesetzt. Aus braven Burschen wurden skrupellose Mörder. Die Droge wurde Soldaten als Panzerschokolade verabreicht. Ebenso die berühmt-berüchtigten japanischen Kamikaze-Flieger standen unter Einfluss dieses Pervitin. Mutig und fast ohne Angst flogen sie in den Tod. Aber auch die Zivilbevölkerung wurde damit versorgt: Pralinen für Hausfrauen, Bobbons für Fabrikarbeiter. Die Japaner hatten und haben bis heute ein massives Problem mit Shabu oder Ice oder Glass, wie es dort genannt wird. Man vermutet, dass selbst Hitler und seine Schergen auf dieser Droge waren – nun, das würde zumindest einiges erklären.

Dieses Rauschgift war nie wirklich von der Bildfläche verschwunden. Doch es gab niemals solche epidemieartigen Zustände, wie wir sie heute in den USA, Asien und Europa vorfinden. Das kleine Land Tschechien ist am stärksten davon betroffen, ebeso die angrenzenden deutschen Bundesländer Bayern und Sachsen. Waren es 2009 noch 7, 2 Kilogramm beschlagnahmtes Methamphetamin, so betrug laut BKA im Jahr 2013 die sichergestellte Menge bereits 77 Kilogramm (Aus dem Artikel „Crystal Meth: Extrem leistungssteigernd, extrem gefährlich „ aus „Der Spiegel vom 03.07.2014).

Warum ist das so? Methamphetamine bediene den Zeitgeist. Wir alle müssen immer mehr in immer weniger Zeit erledigen. Es sind somit nicht nur illegale Randgestalten, die solcherart Drogen konsumieren, die Zahl an Studenten, Angestellten und Schülern steigt permanent an. Dieses Phänomen ist neuartig und bedroht unsere Gesellschaft.

Und nun schauen wir uns mal an, was die User des Methamphetamin da eigentlich zu sich nehmen. Im Gegensatz zu – beispielsweise Kokain, das eine pflanzliche Herkunft aufweist – ist Crystal eine synthetisch-chemische Substanz, die in jedem Hobby-Labor hergestellt werden kann. Amphetaminen oder deren Derivaten werden andere Chemikalien beigemischt, um die Wirksamkeit zu potenzieren. Es sind Zutaten wie Batteriesäure, Frostschutzmittel, Lampenöle,und Abflussreiniger. Von der Herstellung wird jedoch dringend abgeraten, da diese Stoffe hochtoxisch und explosiv sind. Viele Meth-Köche sind selbst drogenabhängig und bei der Herstellung unkonzentriert und gierig auf das Produkt. Das hat bereits vielfach zu Unfällen geführt , die Verbrennungen, den Verlust von Körperteilen oder sogar den Tod zur Folge hatten. Bei der Synthese dieses Rauschgiftes entsteht die fünffache Menge an Giftmüll gegenüber dem eigentlichen Produkt. Wer diesen chemischen Abfällen ausgesetzt ist, kann Vergiftungen erleiden und todkrank werden.

Es ergibt sich hieraus, dass die Droge Methamphetamin sehr toxisch belastet ist und zwar je nach Art der Herstellung mal mehr und mal weniger. Es gehört zu den giftigsten bekannten Missbrauchsprodukten.

Was geschieht im Körper, wenn man dieses Mittel anwendet? Es führt zu einer verstärkten Freisetzung von Noadrenalin, ein wichtiger Stoff für Nerven im Gehirn. Auf Dauer werden durch den Überschuss Nerven im Gehirn zerstört, was zu Konzentrationsstörungen führt, den Intellekt herabsetzt und die Steuerung der Emotionen beeinträchtigt. Daraus entwickeln sich später starke Gehirnschäden, ebenso Psychosen und Depressionen. Die Betroffenen sind chronisch mangelernährt, es fehlt an Vitaminen und Mineralien, abgemagert und untergewichtig sind sie sehr infektanfällig, weil das Immunsystem einen Schaden erleidet. Die Zähne verfallen, Lebe, Nieren und Lunge werden geschädigt. Zu hoher Blutdruck kann zu Herzinfarkten, Schlaganfällen und zum Tod führen.

Crystal Meth hat den Ruf, die gefährlichste Droge der Welt zu sein. Dabei stellen sich Fragen wie: Wie lange bleibt sie die gefährlichste Droge der Welt? Sind die Badesalze nicht schon eine Nummer gefährlicher?

Tatsache ist jedoch, dass sich die Droge Methamphetamin epidemieartig und weltweit verbreitet. Es sit billiger als Kokain und drei- bis viermal so intensiv. „Wer Schokoladenkekse backen kann, der kann auch Methamphetamin herstellen!“ so die Aussage eines ehemaligen Users. Aus diesem lapidaren Grund ist die Produktion dieses Giftes weltweit angestiegen. In den USA beispielsweise erwägen Arbeitslose Herstellung und Handel dieser Substanz, da sie sozial nicht abgesichert sind, was nichts anders heißt, dass sie kein Geld bekommen.

Im Gegensatz zur Herstellung von Heroin oder Kokain benötigt man keine große Chemie-Küchen und da Drogenabhängige latent pleite sind, ist das für viele ein gefundenes Fressen. Im Hebräischen gibt es das Wort Meth ebenfalls. Es bedeutet Sterben oder Tod. Zufall?

Mit freundlicher Genehmigung aus „Der Tod kommt mit der Post – Legal Highs und andere Modedrogen, Markus Finkel, 01. Auflage, München 2015  

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