Und die anderen Religionen?

Die Geschichte von den blinden Bettlern und dem Elefanten

Als Siddharta Gautama, den man später den Ehrentitel Buddha (der Erleuchtete, 6.Jh. v. Chr.) verlieh, von seinen Anhängern nach Gott gefragt wurde, erzählte er eine Geschichte aus seiner Heimat Benares in Indien. Ein Landesfürst richtete im Innenhof seines Palastes für seine Bediensteten ein Fest aus. Ein indischer Elefant wurde in den Hof geführt.

Dann brachte man der Reihe nach blinde Bettler herein. Sie sollten ertasten, was vor ihnen steht.

Einer bekam ein Bein des Elefanten zu fassen und meinte: „Es ist eine Säule“, der nächste ergriff ein Ohr und sagte: „Es ist ein Palmblatt im Wind“, als man den nächsten Bettler zum Rüssel des Elefanten führte, wich dieser erschrocken zurück und rief: „Es ist eine Schlange!“

Die Leute lachten über die Beschränktheit der Bettler. Aber Buddha wies sie zurecht: „So geht es dem Menschen, wenn er über Gott redet. Er bekommt einen kleinen Teil von ihm zu fassen und macht sich seinen Reim darauf. Aber was die wirkliche Größe Gottes ist, kann er nicht erkennen.“

 

Jesus und die Religionen

Aus der Sicht der menschlichen Vernunft können wir Gott tatsächlich nicht erfassen. „Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes (1.Korinther 2,14). Aber Gott kann sich den Menschen bekannt machen. Durch die Menschwerdung von Jesus Christus hat sich Gott den Menschen gezeigt. Johannes 12, 45 sagt Jesus: „Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.“ Diese Identitätsaussage, dass Jesus wahrer Gott ist, bedeutet nicht nur eine Provokation, sondern ein Ärgernis für alle Religionen. Jetzt kann man nicht mehr oberflächlich dahinsagen, dass alle Religionen den gleichen Gott verehren, denn Gott hat sich eindeutig bekannt gemacht. Er wird in Jesus erkannt, oder man kennt ihn gar nicht.

 

Johannes 14,6 spricht Jesus: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich.“

 

Mit diesen Worten begründet Jesus seinen Absolutheitsanspruch. Er ist das Zentrum des christlichen Glaubens und damit das entscheidende Kriterium , das das Christentum von anderen Religionen unterscheidet. Für die Religionen ist es ein Ärgernis.

 

Für Muslime eine Gotteslästerung

Besonders im Blick auf den Islam wird dies Bekenntnis zu Jesus, dem Sohn Gottes, zum tiefsten Widerspruch. Für den Koran ist „Beigesellung“ die schlimmste Sünde. Beigesellung meint, Allah ein anderes Wesen als Gottheit zur Seite zu stellen. Die Tatsache, dass Jesus von den Christen als Gottes Sohn angebetet wird und niemand zu Gott kommen kann außer durch Jesus Christus, kennzeichnet die Kontroverse zwischen Christen und Muslimen. Was für Christen das Grundbekenntnis ihres Glaubens ist, nämlich Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, ist für Muslime eine schlimme Gotteslästerung. Allah hat keinen Sohn (Sure 6,101; Sure 10, 68-70; Sure 18,4; Sure 72,3 und viele mehr). Somit sind Allah und der Gott der Bibel nicht derselbe Gott.

 

Für Juden ein Stein des Anstoßes

Hier liegen ungeachtet aller Gemeinsamkeiten auch nach wie vor die tiefsten Gegensätze zum Judentum. Es ist hoffnungsvoll, dass in neuerer Zeit jüdische Theologen vom „Bruder Jesus“, der in die „jüdische Glaubensgeschichte“ hineingehört, gesprochen haben. Das Christusbekenntnis des Petrus und der Gemeinde Jesu bleibt allerdings der Stein des Anstoßes. Aber gerade deshalb gilt die Verpflichtung für Christen, den Juden gegenüber Jesus als Messias zu bezeugen.

 

Für Hindus eine Zumutung

An Jesus scheiden sich auch hinsichtlich der ostasiatischen Hochreligionen die Geister. Hindus haben kein Problem damit, Jesus z.B. als eine Verkörperung Krishnas anzuerkennen. Solche Inkarnationen der Gottheit gibt es unzählige. Aber Jesus exklusiv als die einzige Menschwerdung Gottes zu bekennen, gilt als Zumutung.

 

Für Buddhisten sinnlos

Buddhisten hingegen haben gar keine Vorstellung von einem persönlichen Gott. Die Glaubensaussage, dass Jesus Christus der wahre und persönliche Gott ist, lehnen sie deshalb als sinnlos ab.

 

Die großen Unterschiede

Nun geht es beim christlichen Glauben aber bei weitem nicht nur um die Frage nach der rechten Gotteserkenntnis, sondern um noch viel mehr. Wie komme ich als sündiger Mensch mit dem heiligen Gott in eine persönliche Beziehung? Im Kern aller Religionen geht es um das vorbildliche Tun des Menschen. Der Jude sagt. „Mensch, heilige dich selbst“; der Moslem: „Mensch, unterwirf dich Allah“; der Buddhist: „Mensch, versenke dich in dich selbst“. Aber Jesus Christus sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun (Johannes 15,5). Jesus hat alles getan, damit Menschen vor Gott bestehen können und dass ihre Sünde vergeben wird. „Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz (Philipper 2,8). Der Koran bestreitet, dass Jesus gekreuzigt wurde, weil nach seiner Überzeugung Propheten durchweg wie Mohammed Siegertypen seien. Jesus gilt im Islam als Prophet, deshalb kann es nicht sein, dass Allah ihn hat kreuzigen lassen.

 

Die letzte Alternative

Damit stehen wir vor einer letzten Alternative. Gehen wir den Weg der Religionen?

 

Das bedeutet dann, alles hängt an unserem Tun und unseren religiösen Bemühungen, um Gottes Gnade zu erlangen.

Das Heil und den Gottesbezug können wir uns aber nur von Jesus schenken lassen, weil er alles für uns getan hat.

Seine Vergebung kann durch nichts ersetzt oder übertroffen werden. Man kann sie nur im Glauben annehmen.            

 

Nur bei Christus gibt es ewiges Leben

Der Indienmissionar Stanley Jones (1884-1973) evangelisierte in vielen Dörfern und Städten des Subkontinents. Ein Hindugelehrter kam zu ihm und bat darum, nach seiner Predigt seinen Landsleuten kurz erklären zu dürfen, dass in den heiligen Sanskritschriften bereits alle Wahrheiten über Gott und sein Heil enthalten seien. Doch nach der Verkündigung von Jones sagte der Hindu verunsichert: „Wir haben keine solche Person wie Jesus“.

Wer dem lebendigen Gott begegnen will, der muss zu Jesus kommen. Wer das ewige Leben bei Gott sucht, der darf es sich von Jesus schenken lassen.

 

 

Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Rolf Hille, drhille.blogspot.com .

Nach  „Wer ist die Wahrheit? – Jesus und die Religionen“ von Rolf Hille (Heilbronn), Professor an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, in Idea Spektrum , Nr. 29 vom 19. Juli 2017.

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