Albrecht

Mein Lebensvers ist Johannes 14,6. Da steht: Jesus Christus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater – außer durch mich.“

Diesen Vers wählte ich 1959 zur Konfirmation, ohne zu wissen, was ich tat. Aber von vorne!

Geboren bin ich noch im Krieg, 1944, als Einzelkind. Es waren Notjahre. Mein Vater kam innerlich geschädigt aus russischer Gefangenschaft. Er war sehr sensibel und brauchte die volle Zuwendung meiner Mutter. Obwohl meine Eltern mich liebten, fand ich keine Nähe. Sie verstanden mich nicht, ich lief nebenher.

Als ich 17 war, starben mein Vater und mein geliebter Onkel ganz plötzlich. Ich verlor den Halt. Meinen Suizidversuch verhinderte Gott durch einen tatkräftigen Freund, der mich rettete.

Nach dem Abitur scheiterte ich kläglich im ersten Anlauf. Das war nicht der richtige Beruf! Deshalb studierte ich erneut. Doch auch in dieser Arbeit kam ich nicht vorwärts, trotz einiger guter Versuche. Ich hatte Kontaktprobleme, war kompliziert, verletzlich und innerlich hohl. Ich begann mit Haschisch, nahm LSD und andere psychedelische Drogen. Ich tauchte ein in unsichtbare Welten – kam aber im Alltag nicht zurecht.

1969 erfasste mich die sozialistische Studentenbewegung. Ich wurde Teil von ihr. Endlich ein Lebensziel, das mich erfüllte: Klassenkampf! Damit konnte ich mich identifizieren. Das war jetzt mein Glaube, mein Lebensinhalt. Gemeinsam unterwegs, dieselben Werte, derselbe Lebensstil, derselbe Feind. Wir waren Genossen!

Drei Jahre lebte ich intensiv in dieser Gegenwelt und ging völlig in ihr auf – äußerlich wie innerlich. Ich blieb drogenabhängig, und im Berufsalltag änderte sich nichts. Ich blieb in mir selbst gefangen.

Eines bösen Tages entdeckte ich bei Freunden ein Buch: „I Ging“. Dieses altchinesische „Weisheits- und Orakelbuch“ ist geschaffen, um Menschen zu bezaubern, zu fangen und in den Abgrund zu reißen. Aber das wusste ich nicht. Ich las darin – und hing sofort am Haken. Was für ein mächtiges Buch! Ich wollte nur noch weiterlesen, wollte dieses Wissen!

Tag und Nacht las ich und las, nahm immer mehr Drogen. Durchhalten! Weiterlesen! Ich merkte, wie sich der Raum umher mit unsichtbaren Wesen füllte, aber das war mir total egal. Ich war von Sinnen. Mein Leben hing über dem Abgrund, und ich wusste es nicht.

Doch dann blieb ich im Zauberbuch stecken. Es ging einfach nicht weiter. Ich öffnete die Bibel. Das änderte alles! Ich hatte nicht auf Gott gewartet – im Gegenteil, ich hatte ihn abgeschrieben. Aber er mich nicht. Ohne Gottes Hilfe wäre ich elend umgekommen. Doch er ließ mich nicht verrecken. Er griff ein!

Im August 1972 kam der lebendige Gott zu mir. ER war im Raum. Ich sah ihn nicht mit meinen natürlichen Augen und hörte ihn nicht mit meinen natürlichen Ohren. Gott sprach zu mir durch die Bibel (Luther-Übersetzung 1912) und durch seinen Geist. Ich schlug die Bibel auf, aufs Geratewohl: Sprüche Salomos, Kapitel 1. Vers 7a:
„Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.“

Mit diesem halben Bibelvers – neun Wörter! – riss Gott mein ganzes Leben um. In einer Viertelstunde. Er riss mich heraus. Ich stand da und hatte die Bibel in der Hand, zu meinen Füßen das geöffnete Zauberbuch.

Gott sprach zu mir durch sein Wort, gedruckt vor meinen Augen, und gleichzeitig durch seine Rede. Das Erste, was er sagte, war:
„Mein lieber Albrecht! Erkenntnis ist ein Prozess! Du hast mich mehr und mehr aus deinem Leben verdrängt. Deshalb konntest du immer weniger erkennen. Du hast dich selbst verblödet. Du hast dich selbst verdummt. Du hast alles falsch gemacht, und deshalb musst du jetzt sterben.“

Dann zeigte er mir mein Leben im Schnelldurchgang, so wie es wirklich war. Schlag auf Schlag. Ungeschönt. Es war schrecklich. Er wusste alles über mich – einfach alles, mehr als ich selbst. Eine schreckliche Bilanz. Und ich ging mit, Punkt für Punkt, und musste ihm Recht geben. Ja, ich hatte den Tod verdient. Er legte die Liste vor, ich hakte ab. In allem hatte er absolut Recht. Absolut. Ich unterschrieb mein eigenes Todesurteil.

Doch merkwürdig: Während wir gemeinsam diese traurigen Kapitel durchgingen, begann zwischen uns ein Gespräch. Derselbe Gott war Richter – weit über mir – und gleichzeitig Vertrauter, direkt neben mir. Wie war das möglich? Nah und fern zugleich – das gibt es nur bei IHM.

Da ich nun wusste, dass es ihn, den Gott der Bibel, tatsächlich gab, sprach ich zu ihm: „Wenn das so ist, dann lebt doch die ganze Welt verkehrt!“ Und er antwortete: „Ja, das stimmt.“ Der ewige Gott führte mit mir ein ganz normales Gespräch, und ich weinte unablässig. Was für eine Situation!

Ich las weiter in Vers 8, die ersten Worte: „Mein Kind“. Diese zwei Worte durchbohrten mein Herz, durch und durch. Derselbe Gott, der mich gerade zum Tode verurteilt hatte, nahm mich jetzt als sein Kind an. Wie kann das sein? Reine Gnade, völlig unverdient.

Ich bin Christ, weil Gott mir begegnet ist. Er kam zu mir. Er sprach mit mir – durch die Bibel und seinen Heiligen Geist. Er hat mich gerettet. Elf Wörter der Bibel, keine zwei Sätze, reichten IHM, mein Leben umzudrehen. Ich bin sein Kind. Für ewig.

Der Tod kann mich nicht von ihm trennen. Im Gegenteil! Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer zu ihm kommt, kommt zum Vater.

Darum komm!
Komm zu ihm!
Komm zu Jesus.
Komm nach Hause.

Holzschnitt
Heilung des Aussätzigen
Karl Thylmann (1888–1916)

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